Ein Haus und sein Jahrhundert Nadine Fabian, MAZ

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FLECKEN ZECHLIN | Else war des Herumreisens überdrüssig. Sicher, mit dem Schiffs- und Grenzarzt Alfred Kaussmann hatte sie einen Vagabund geheiratet – doch nach der Geburt der Söhne entscheidet Else, dass es nun an der Zeit ist, sesshaft zu werden. In Flecken Zechlin wird man fündig. Am Hang über dem Schwarzen See kauft Alfred Kaussmann zehn Morgen Land. Das Haus, das er dort bauen lässt, ist 1911 bezugsfertig: Er nennt es Elsenhöhe.
100 Jahre sind seither ins Land gegangen – das Haus Elsenhöhe steht noch immer. Es hat die vergnügten Zeiten gesehen, da die Eisenbahn in den Goldenen Zwanzigern die Ausflügler in Scharen zur Sommerfrische ins Binnenseebad Flecken Zechlin kutschierte. Es hat die finsteren Zeiten gesehen, da die Wehrmacht mit einerGeschützstellung im Garten versuchte, eine längst verlorene Front zu halten. Die große Geschichte des Jahrhunderts hat sich im Kleinen auch in Elsenhöhe abgespielt.
Und wie so viele stattliche Häuser im Osten der Republik dämmert auch Elsenhöhe nach der Wende lange Jahre vor sich hin. Als Bernd Hasenbalg das Haus zum ersten Mal sieht, ist es verlassen und kaputt. An einem Novembertag 1999 macht er sich mit dem verwaisten Gemäuer bekannt.
„Mein erster Eindruck war: wildromantisch“, sagt BerndHasenbalg. „Das Haus war in einem schlechten Zustand. Aber die Faszination war sofort da. Sein einstiger Charme war deutlich zu erkennen.“ Nicht einmal zwei Wochen später ist der Kaufvertrag perfekt. Bernd Hasenbalg lässt das Haus sanieren – natürlich historisch, wie er sagt. „Das Dach, die Fassade, die Fenster, die Außenanlagen... Man kann’s gar nicht aufzählen – wir mussten schlichtweg alles anfassen.“ Am 28. Mai 2001 ist es soweit: das Haus Elsenhöhe öffnet erneut seine Pforten.
Das Anwesen bietet seither individuelle Ferienappartements und es ist schwierig, eine derWohnungen zu ergattern. Hier machen sommers wie winters Besucher aus Nah und Fern Urlaub, hier feiern Familien, proben Chöre, hier büffeln Examenskandidaten für die Prüfung und Schauspieler für die nächste Rolle. „Es klingt esoterisch, aber viele Besucher schwärmen von der wunderbaren Energie dieses Ortes“, sagt Bernd Hasenbalg. „Man kann sich hier wohlfühlen und kreativ sein. Man kann sich immer zurückziehen und man kann auch immer am Leben von Elsenhöhe teilnehmen.“